An der Eckfahne


Juli 7, 2011

Kims Fehlbarkeit

Category: WM – Autor: Bananenflanker – 12:46 pm

Bei der Männer-WM in Südafrika war Kim Jong-Il häufig Objekt begleitender, meist satirischer Medienberichterstattung. Damals kam er fast immer nicht gut weg. Wir finden, so sollte es auch bei der diesjährigen Frauen-WM sein. Dort sind Kims Frauen, genau wie die männlichen Pendants vor einem Jahr in Südafrika, in der Vorrunde ausgeschieden.

Deswegen eine kleine Geschichte, die sich während und nach dem letzten Spiel seines Teams bei der Frauen-WM zugetragen haben soll.

Mittwochabend, Kims Palast – Wie bei jedem Auftritt der nordkoreanischen Mannschaft bei der Frauen-WM fläzt Kim Jong-Il auch diesmal wieder im Thronsessel vor seiner Kinoleinwand – nur spärlich gehüllt in graue Standardunterhose und Nationaltrikot, mit einer Krone auf dem Kopf.
Relativ emotionslos – von einigen kurzen Wutausbrüchen abgesehen – verfolgt Kim die folgenden neunzig Minuten, in denen das nordkoreanische Team nicht über ein 0:0-Unentschieden gegen Kolumbien hinaus kommt. Nach dem Schlusspfiff erhebt er dann seine Stimme: „Es ist eine Schande torlos aus diesem Turnier auszuscheiden. Ich will Bestrafung. Bringen sie mir einen niederen Fußballfunktionär, den ich waterboarden kann.“ Sein Chefberater, der das Spiel stillschweigend zu den Füßen des Diktators mit angesehen hat, versucht zu beruhigen: „Aber großer Führer, der Blitzeinschlag! Sie dürfen nicht vergessen!“ – „Pappalapapp! Ich wurde in meinem Leben vier Mal vom Blitz getroffen! Und? Ich bin der große Führer!“ Sich sicher, nicht mehr im Blickfeld Kims zu sein, wendet sich der Berater augenrollend ab. Kim wird nun ungehaltener: „Einen Fußballfunktionär – sofort!!“ Er springt auf, schmeißt seine Brille zu Boden und trampelt auf ihr herum, läuft in Rage durch das Zimmer. Sein Berater will intervenieren: „Mein Führer“, setzt er an, bemerkt aber dann die plötzliche Ruhe im Raum. Kim hat sich auf Nasenlängenentfernung vor seine Leinwand bewegt, auf der stumm ein englischsprachiger Nachrichtenkanal zu sehen ist – Kim hatte in seinem Wutanfall wohl versehentlich die entsprechenden Tasten der Fernbedienung gedrückt. Er versucht nun angestrengt die Newsticker-Schlagzeile, die horizontal immer wieder von links nach rechts über den Bildschirm wandert, zu lesen, schreitet dazu dem Text folgend an der Leinwand entlang. „Ol-lympic Gaaa-mes g-g-go to P-P-P-joo-ng-jang“, stottert der Führer vor sich hin, liest den Text erneut und wiederholt, diesmal lauter und flüssiger: „Olympic Games go to Pjongjang!“ Seine Mine erhellt sich, er ruft den Satz nochmals aus und bricht dabei in Jubel aus. Sein Berater, dem in diesem Moment schwant, welchem Missverständnis der allmächtige Führer aufsitzt, versucht aufzuklären: „Mein Führer, da steht nicht…“, doch sein Appell wird in den Jubelschreien Kims erstickt: „Da haben sich die Parteikader ja was ausgedacht! Welch tolle Überraschung!! Wie haben die denn das geschafft? Und ich hab gar nichts mitbekommen! Ha! Olympische Spiele in meiner Stadt!“ Aus Angst, die emotionale Fallhöhe weiter ansteigen zu lassen, wendet sich der Berater nun lauter an seinen Chef: „Mein Führer, mein Füh-rer! Es heißt Pyeongchang! Das ist eine Stadt in Südkorea, unserem gehassten Nachbarstaat!“ Augenblicklich verstummt der Diktator. Er wendet sich seinem Berater mit drohenden Augen zu: „Was sagen Sie da?“ – „Pyeongchang nicht Pjongjang hat die Olympischen Spiele bekommen, wir haben uns nicht beworben! Sie wissen doch, ohne ihre Brille sehen sie nicht gut!“ Kims Anspannung fällt ab, Fassungslosigkeit macht sich auf seinem Gesicht breit, er schlendert kopfschüttelnd in Richtung Thronsessel und setzt sich. „Kein Olympia? Südkorea?“, stammelt er. „Nein, kein Olympia, es tut mir wirklich leid!“ Da blitzt ihn Kim an: „Holen sie mir einen niederen Parteifunktionär!“

August 11, 2010

Teambuilding à la Ribéry

Category: Profizirkus – Autor: tim – 10:55 am

Deutschland, kurz vor Bundesligastart. Die meisten Profis haben eine anstrengende Saisonvorbereitungsphase hinter sich. Neben Medizinballtraining und Taktikschule standen in dieser Zeit auch Teambuilding-Maßnahmen auf dem Plan. Denn nur ein Team mit intaktem Mannschaftsgeist kann in der anstehenden Saison Großes leisten.

Die an-der-eckfahne.de – Redaktion stellt heute eine dieser Maßnahmen, das „Teambuilding à la Ribéry“, vor.

Vom Teamgeist fördernden Effekt sexueller Kollektiverlebnisse

 Wirklich feste und dauerhafte zwischenmenschliche Beziehungen entstehen, wenn Personen gemeinsam sehr emotionale Situationen durchleben. In der Psychologie ist dieses Phänomen unter dem Begriff „Erregungstransfer“ bekannt: Ein angenehmer oder unangenehmer Gefühlszustand wird von Beteiligten (meist fälschlicherweise) mit den anwesenden Personen, anstatt mit den vorherrschenden situativen Bedingungen, ursächlich in Verbindung gebracht. Diesen psychischen Mechanismus machen sich beispielsweise Unternehmen zu Nutze, wenn sie für ihre stressgeplagten Großraumbüromitarbeiter von Zeit zu Zeit aufregende Rafting-Ausflüge oder spannende Schnitzeljagd-Events organisieren. Dadurch soll das Arbeitsklima nachhaltig verbessert werden.

Auch im Profifußball ist Teambuilding mit Hilfe der Erregungstransfer-Methode durchaus populär. So wird unter anderem, wie die Affäre Ribéry unlängst gezeigt hat, auf die zusammenschweißende Kraft sexueller Kollektiverlebnisse – in boulevardesker Sprache auch „Orgie“ genannt – gesetzt.

Klar, das mag jetzt für den einen oder anderen Zölibatsbefürworter und Keuschheitsgürtelträger moralisch höchst verwerflich und außerdem unsinnig klingen. Dennoch, aus der Sicht der Erregungstransfer-Theorie, ist eine Orgie eine überaus wirksame Teambuilding-Maßnahme. Denn: Selten sind Menschen von derart positiven Gefühlen erfüllt wie im Rausch der Geilheit.

Auch Cruyff und Ronaldo taten es 

 Belege für die Teamgeist stärkende und letztlich Erfolg versprechende Wirkung sexueller Kollektiverlebnisse gibt es übrigens auch: Johann Cruyff und Nationalmannschaftskollegen stürmten bei der WM 1974, nachdem sie sich im Vorrunden-Trainingslager mit Prostituierten vergnügt hatten, bis ins Finale. Cristiano Ronaldo veranstaltete zu Saisonbeginn 2007/08 eine kleine Party im heimischen Whirlpool. Mit im Planschbecken: Die Manchester United-Stars Nani und Anderson und selbstverständlich viele nackte Frauen. Am Ende der Spielzeit 07/08 holten Ronaldo & Co. die Meisterschaft und den Champions-League-Titel.

Es ist davon auszugehen, dass der bemerkenswerte Teamgeist vieler weiterer Erfolgsmannschaften in den Jacuzzis und Himmelbetten dieser Welt geboren wurde – aus Angst vor Skandalgeschrei gehen die Beteiligten jedoch selten damit an die Öffentlichkeit. Allerdings kann sich nun jeder vorstellen, was damals in Thomas Strunz` Partykeller wirklich geschah. 

Bei Franck Ribéry und seinen französischen Nationalmannschaftskollegen scheint die Teambuilding-Maßnahme „Orgie“ – so muss man nach dem verkorksten Auftritt bei der WM in Südafrika konstatieren – den erwünschten Effekt verfehlt zu haben. Mögliche Ursache: Penisneider unter den Orgienteilnehmern.

Juli 2, 2010

Von medialen Foulspielen während der WM II

Category: WM – Autor: Bananenflanker – 9:48 am

Heute geht’s wieder los. Die WM geht in ihre entscheidende Phase. Da ist es wichtig noch mal die Anspannung zu lösen und ein paar skurrile Clips zu präsentieren. Das beste aus 3 Wochen WM-Berichterstattung:

Guido-Wochen in Südafrika: „Schäfer in Südafrika

Ganz großes Tennis hat die Leipziger Volkszeitung auf ihrer Internetseite zu bieten. Guido Schäfer, ehemaliger Fußballprofi bei Mainz 05, hat sich im Auftrag der Regionalzeitung in seine besten Zuhälterklamotten geschmissen und sich zur WM nach Südafrika aufgemacht. Seine Erlebnisse dort hält er mit ungeübter Hand auf Kamera fest. Zwar ist in den 3-Minütern nur wenig von Land und Leuten und dem dortigen Fußballturnier zu sehen, jedoch einiges von Guidos sonnengegilbten Gesicht.

Fazit: Guido Schäfer – aussichtsreicher Kandidat für eine spätere „Dschungelcamp“ – Staffel.

Der hungrige Bundestrainer: „Bundestrainer Jogi Löw isst Popel

Unser Bundes-Jogi, von Frauen für seine Stilsicherheit gelobt, von Männern für seine Nivea-glatte Haut bewundert und von Nahestehenden ob seiner Umgangsformen geschätzt, hat sich einen riesigen Fauxpas erlaubt: Beobachtet von einem aufmerksamen Kameramann hat er sich während der Partie Deutschland – England ungeniert ein Stückchen halbgetrocknetes Nasensekret aus seinem mitesserbefreiten Geruchsorgan gekratzt und es anschließend – und jetzt kommt der wirklich eklige Teil – auch noch verzehrt. Wie konnte dem medienerfahrenen Löw derartiges passieren? Die einen behaupten DFB-Koch Stromberg hätte Löw im Falle des Konzentrationsabfalls dazu geraten. Andere glauben schlicht an einen kurzen Moment der Unachtsamkeit. Wie-auch-immer: Die Karriere als Kosmetikmittel-Testimonial scheint damit beendet.

Fazit: Ob eklig oder nicht: Gegen England hat es Glück gebracht! Deswegen: Machs morgen noch mal, Jogi!

Müller-Hohenstein in Bestform: „Innerer Reichsparteitag“ und der „geile Olli

Die ARD-Moderatorin Kathrin Müller-Hohenstein ist in diesen WM-Wochen immer für einen unterhaltsamen Lapsus gut. Zunächst zog die Formulierung „Innerer Reichsparteitag“, die sie zur Beschreibung von Miroslav Kloses Gefühlsleben nach dessen Tor im Spiel gegen Australien verwendete, ein gewaltiges Medienecho nach sich. Dann machte sie ihrem Kollegen, Ex-Torwarttitan Oliver Kahn, eindeutige Avancen, indem sie unverblümt und mit leuchtenden Augen behauptete, dieser würde mit Bart „geil“ aussehen. Weitere verbale Leckerbissen sind zu erwarten.

Fazit: Müller-Hohenstein und Kahn haben hohen Unterhaltungswert und das Zeug dazu, das abdankende Kultduo Delling/Netzer zu beerben.

Juni 23, 2010

Von medialen Foulspielen während der WM

Category: WM – Autor: tim – 11:57 am

Die ganze Welt ist Fußball in diesen Wochen. Die Menschen, das Wetter und natürlich auch die Medien. So werden wir überflutet von süffisant geschriebenen Fußball-Kolumnen, von an Metaphorik kaum zu überbietenden Radio-Kommentaren oder amateurhaft abgedrehten Image-Clips. Es ist schwer dabei den Überblick zu behalten. Damit unseren Lesern nichts entgeht, stellt die an-der-ackfahne – Redaktion wöchentlich ein besonders sehens-, lesens- oder hörenswertes Machwerk vor.

 Heute: Bushido allein in der Laube

 Es empfiehlt sich zuerst den Clip anzusehen, um anschließend den Kommentar zu lesen.

 Bushido allein in der Laube

Da sitzt er in einer holzverkleideten Gartenlaube, ganz brav im Trikot der deutschen Nationalelf und sieht sich das Spiel gegen die Serben an. Dass sich Bushido – für viele Rentner das Gesicht einer herzlosen, brutalen Multi-Kulti-Jugend, die sich unaufhaltsam und erbarmungslos in deutschen Landen ausbreitet – ausgerechnet diesen Ort ausgesucht hat, der ja so exemplarisch steht für das rentnerliche Bedürfnis nach Zurückgezogenheit, Ruhe und Eigenheim, um dort ein Kamerateam zu empfangen, das ihn während der Rezeption eines deutschen WM-Spiels abfilmen soll, ist schon verdächtig. Als wollte er mit diesem Film die Botschaft vermitteln: „Hey Heinz! Hey Helga! Schaut her: Ich wohne vielleicht schon bald im Haus nebenan und höre ganz laut diese bassintensive Brutalo-Musik!“

Man muss wirklich hoffen, dass Heinz und Helga diesen Clip niemals zu sehen bekommen. Sonst dürfte sich das Magazin „Die Auswanderer“ bald vor Anfragen abwanderungswilliger Pensionisten ­­– die sich von dem Fernsehteam irrtümlicherweise ja immer auch ein wenig Unterstützung beim Aufbau ihrer neuen Existenz erhoffen – nicht mehr retten dürfen.

 Ein Homie ohne Homies? – Wohl kaum!

 Auch sehr bemerkenswert an diesem Video, ist aber die Tatsache, dass Bushido, einziger deutscher Rapstar neben Sido, Frauenschwarm und Multitalent, scheinbar keine Freunde hat. Zumindest keine, die mit ihm zusammen Fußball schauen wollen. Während sich der Rest der Nation in aus allen Nähten brechenden Wohnzimmern, in erschöpfend bestuhlten Gärten oder unter tausend anderen vor Public-Viewing-Leinwänden befindet, sitzt der arme Bushi mit – und wir kamen nach mehrmaligem Durchzählen auf das immergleiche Ergebnis – genau einem Freund vor dem Fernseher. Über 140 000 Freunde bei MySpace und doch nur einer in der Laube. Wie seltsam.

Jetzt könnte man erklärenderweise entgegnen, dass sich Bushidos Freunde zum Zeitpunkt des Spiels (Es fand am Freitagmittag statt) samt und sonders an ihrem Arbeitsplatz aufhielten. Aber die Vorstellung von rechtschaffenen, hart arbeitenden Hip-Hop-Homies passt dann doch irgendwie nicht ins Bild.

 Als gut ausgebildete Journalisten trauten wir dem Braten natürlich nicht und kamen nach mehreren aufreibenden Redaktionssitzungen zu dem Urteil: Bei diesem Clip handelt es sich um eine Inszenierung. Einzig zu dem Zweck abgedreht und veröffentlicht, um anständige, Lauben besitzende deutsche Rentner zu ängstigen. So ist auch der Tritt gegen die Holzverkleidung der Gartenlaube mehrdeutig interpretierbar: Zum einen als kurzer emotionaler Ausbruch aufgrund des Spielverlaufs, vielmehr aber als eine Drohgebärde in Richtung Heinz und Helga, die diese Szene händchenhaltend und schreckhaft zusammenzuckend auf ihrem Bildschirm verfolgen dürften. 

 Im Namen der Rentnerliebe rufen wir von der an-der-eckfahne – Redaktion deshalb die Verantwortlichen von Spiegel TV dazu auf, dieses Video schnellstmöglich zu entfernen und rentnerunzugänglich zu archivieren!

März 11, 2010

Kempter, Amarell und ein ungebetener Zuhörer

Category: Profizirkus – Autor: Bananenflanker – 11:26 am

Ganz Deutschland diskutiert die Affäre Kempter/Amarell. Dabei ist immer noch im Unklaren, weshalb sich der junge Kempter an die Öffentlichkeit wandte und seinen Schiedsrichtermentor der sexuellen Nötigung bezichtigte - schien das Verhältnis, wie nachträglich erschienene E-Mails und SMS beweisen sollen, doch ein einvernehmliches gewesen zu sein.

Ein mitgeschnittenes Telefonat könnte nun Aufschluss über die Motive des talentierten Nachwuchsschiedsrichters geben. Selbstverständlich liegt dieses streng vertrauliche Dokument nur der an-der-eckfahne-Redaktion vor. Ein Ausschnitt dieses Telefonats haben wir hier veröffentlicht.

Kempter: Genau, so machen wirs. Ich hab den schwarzen Tanga schon zurecht gelegt.

Amarell: Au-weia! Du Schlingel!

“Ähä, äha!”

K: Was war das? Warst du das, Manni?

A: Nein, hat sich angehört als hätte da einer gehustet!

K: Wie kann das sein? Meinst du… meinst du, da is noch einer in der Leitung? Jemand, der jetzt über alle schmutzigen Details unserer Affäre bescheid weiß?

A: Ich weiß nicht. Das wäre ja furchtbar! Ehm… Hallo? Is da wer?

Stille.

A: Haaalloo?

“Verdammt!!”

K: Wer ist da?

“Ehm… Hier isch… hier isch der Wolfgang.” 

A: Wolfgang? Welcher Wolfgang und was wollen sie in unserer Leitung?

Wolfgang: Wolfgang Schäuble, Bundesfinanzminischter und ich belausche sie.

K: Wie bitte? Oh Gott! Das gibts ja nicht! Ich dachte, diese Abhörpanik wäre nur ein Medienhirngespinnst! Oh, mein Gott!

A: Sie… sie… das können sie doch nicht machen, Herr Schäuble!

W: Kann ich wohl.

A: Wie lange machen sie das schon?

W: Des geht sie nix an. Des isch mei Privatsache!

A: Sie machen das privat?

W: Ja, inzwischen schon. Bin ja jetsch beruflich für andere Sachen zuständig. Keine Angscht, des isch für mich reine Unterhaltung. Heimliche Schwulenpäarchen im Profifußball sind immer sehr witzig.

K (weinerlich): Oh Gott! Bitte verraten sie uns nicht. Meine… unsere… Karriere wäre ruiniert!

W: Keine Sorge. Mir liegt ja sehr viel an Dischkretion. Wer heimlich schwul sein will, soll heimlich schwul sein. Ich möcht mich – wie gesagt – bloß a bissle unterhalten. Beim Hoyzer hab ich damals auch nix verraten.

K (schluchzend): Aber da is doch alles rausgekommen! Der is jetz der Sündenbock der Nation!

W: Ja, weil er verschoben hat. Des isch illegal! Aber sein Verhältnis zum Manfred - da hab ich nie was gesagt.

K: Sein Verhältnis mit Manfred? Was? Nein, Manni, sag, dass das nicht wahr ist!

W: Upsch…

A: Hörzu, Michi, das ist lange her. Er war jung, knackig und manipulierbar. Ich habe ihn ausgenutzt. Das war keine Liebe wie bei uns!

K: Ich fass es nicht. Das hättest du mir erzählen müssen! Du und Hoyzer - das ist eklig!

W: Fand ich damals auch.

A: Sie halten sich da raus! Das is unsere Sache. Michi, hör zu, ich liebe dich. Wirklich, du musst mir glauben!

K: Ich weiß nicht. Ich bin zutiefst enttäuscht.

Könnte Kempters gebrochenes Herz womöglich der Auslöser für seinen Schritt an die Öffentlichkeit gewesen sein?

Februar 25, 2010

Die subjektive Lebenswirklichkeit des Jens Lehmann

Category: Profizirkus – Autor: tim – 2:41 pm

40 Jahre und kein bisschen schlagzeilenmüde! So kennen wir den ehemaligen Nationaltorhüter, Jens Lehmann. Dass er gewöhnliche Fußballspiele gerne mit eigenwilligen, meist antisozialen Spinnereien garniert, hat er in der Vergangenheit zur Genüge bewiesen. Von diesen beneidenswerten Spinnerqualitäten konnte sich am Dienstag auch Carles Puyol, Kapitän des Champions-League-Siegers FC Barcelona, hautnah überzeugen – und musste dafür beinahe mit dem Leben bezahlen: Lehmanns Kung-Fu Sprung verfehlte den Barca-Star nur knapp. Sonst hätte der internationale Fußball wohl den ersten Fall versuchten Totschlags während eines Live-Spiels zu beklagen gehabt. Aber ein paar Spiele bleiben Jens Lehmann ja noch!

Doch wer ist eigentlich der Mensch, der hinter all den Ausrastern steckt. Der an-der-eckfahne-Redaktion liegt exklusiv, aus welchen Gründen auch immer, das Tagebuch des Stuttgarter Tormanns vor. Die Inhalte wollen wir unseren Lesern natürlich nicht vorenthalten. Daher haben wir hier einige Einträge veröffentlicht. Viel Spaß bei der Erforschung der Persönlichkeit Jens Lehmann!

16.10.1993

Bin zur Halbzeit ausgewechselt worden und anschließend mit der Straßenbahn heimgefahren. War stocksauer. Hab in der Bahn nen Rentner verprügelt, weil er mit seiner Zeitung so laut geraschelt hat. Hoffe, dass mich keiner erwischt. Zum Glück gibt’s keine Überwachungskameras im öffentlichen Nahverkehr!

07.04.2006

Die Nummer 1, die Nummer 1, die Nummer 1 im Land bin ICH! Yeah!

22.12.2007

Hab heut die Bilder dieser brutalen U-Bahnschlägerei gesehen. Die haben den armen Rentner ja beinahe totgetreten! Gott sei Dank, gibt es Überwachungskameras! Solche asozialen Leute müssen ihrer gerechten Strafe zugeführt werden!

24.12.2008

Heute ist Weihnachten. An diesem Tag werd ich immer so sentimental. Ich denke an Olli, meinen alten Konkurrenten. Mal sehen, was er zu meinem Weihnachtsgeschenk sagt: Hab ihm ein 5×5 Meter großes Poster des Mannschaftsphotos vom Eröffnungsspiel bei der WM 2006 geschickt. Ha!

10.02.2009

Jens Lehmann – schalalalala!

02.04.2009 

Hab heute meinen alten Weggefährten Manuel Almunia angerufen. Ein nettes, wenn auch wortkarges Telefonat. Ich red ja nicht mit dem. War trotzdem irgendwie nett. Vielleicht flieg ich morgen mal rüber und geh mit ihm Mittagessen. So eine Flasche!

20.09.2009

War gestern auf der Wiesn als Unterstützer von so ner Charity-Veranstaltung. Ne feine Sache! Es ging um Kinder. Ich mag Kinder. Vor allem meine eigenen. Balljungen mag ich nicht, die haben alle Betrüger-Eltern.

Am Ende war ich ziemlich voll. Als rechtschaffener Bürger hab ich den Hehli natürlich stehen lassen und bin mit dem Taxi heim. Leider hat sich auf der Fahrt meine Blase gemeldet. Ich hab den Fahrer einfach in ein Gespräch verwickelt und in die Türablage gepinkelt. Trinkgeld gabs trotzdem nicht – soweit kommts noch!

18.12.2009

Gestern Auftritt bei Kerner. Hab Johannes vor der Show mit meinem Hehli persönlich abgeholt und ihm während des Fluges unmissverständlich klar gemacht, was ich von der Sendung erwarte: Ausschließlich positive PR!

Zunächst war er etwas zögerlich. Hat irgendwas von kritischem, unabhängigem Journalismus gelabert. Aber kopfüber in 400 Metern Höhe aus dem Hehli hängend hat er dann schnell eingelenkt. Man, diese Angst in seinen Augen, faszinierend!

Der Auftritt war dann ein Leichtes!

06.01.2010 

Hab meine Autobio bald fertig. Werde das Werk wohl „Nummer eins – bei der WM im eigenen Land“ nennen.

23.02.2010

Heute Morgen hat mich wieder der zottelige Nachbarsköter angeknurrt. Diesmal ist er aber nicht ungeschoren davongekommen. Hab ihn ordentlich mit den Füßen voraus umgetacklet. Danach hat er nur noch gewimmert. Hat sich wohl ausgeknurrt, Fiffi!

Am Abend hatte ich dann ein Deja-Vu-Erlebnis – im Stadion. Da hechelt doch glatt wieder so ein zotteliger, köterähnlicher Typ auf mich zu. Da sind bei mir die Sicherungen durchgebrannt! Hab mein Kung-Fu-Tackle wieder ausgepackt, den Zotteltypen aber verfehlt. Im Rückspiel muss ich mich beherrschen. Ich nehm ihm einfach nach Abpfiff die Brille weg!

Dezember 24, 2009

Sensationen der Hinrunde, Teil 2

Category: Profizirkus – Autor: Bananenflanker – 2:32 pm

Heute: Der vermummte Bundesliga-Profi oder: Warum Maik Franz für die Entlassung von Markus Babbel mitverantwortlich ist

Stuttgart, Mercedes-Benz Arena, 05.12.2009 – Etwa eine Stunde vor Anpfiff des Bundesliga-Spiels zwischen dem VfB Stuttgart und dem VfL Bochum hindern einige Zehnerschaften Stuttgarter Ultras den Bus ihrer Mannschaft an der Einfahrt ins Stadion. Sprechchöre wie „Wenn ihr absteigt, bringen wir euch um!“ werden angestimmt. Die Atmosphäre ist äußerst aggressiv. In den folgenden neunzig Spielminuten sollten ängstlich wirkende Stuttgarter an die schwachen Leistungen der Vorwochen anknüpfen und gegen einen harmlosen VfL Bochum nur ein enttäuschendes Unentschieden holen. Nach Spielschluss ist die Stimmung auf den Rängen am Siedepunkt angelangt und abermals hindern grölende VfB-Fans – diesmal zahlreicher als vor dem Anpfiff – den Mannschaftsbus an der Weiterfahrt. Unter dem Eindruck der gegen ihn und seine Mannschaft gerichteten Aggressivität beschließt Cheftrainer Markus Babbel unmittelbar nach dem Spiel, sein Engagement für den VfB zu beenden. Am nächsten Tag wird er vom Vorstand entlassen - die Fans haben gewonnen! Was zu diesem Zeitpunkt keiner wusste: Ein Bundesliga-Profi hatte hier seine Finger im Spiel.

Wie uns ein in der Stuttgarter Fanszene tätiger Verfassungsschützer mitteilte, befand sich Maik Franz, unbelehrbarer Fußballquerulant in Diensten der Frankfurter Eintracht, fast den ganzen Samstagnachmittag vermummt und unbehelligt unter den Stuttgarter Anhängern (siehe Foto; der Mann mit der ausdruckstarken Geste in der Mitte des Bildes). Der V-Mann hatte Franz, ohne dessen Kenntnisnahme, während einer Pinkelpause vor dem Spiel erkannt. Um den Profi nicht in Gefahr zu bringen, behielt er diese Information für sich, blieb jedoch in Franz’ Nähe.

Uns gegenüber berichtete er, dass Franz maßgeblich an der Blockade vor Spielbeginn beteiligt gewesen ist. Als einer der Rädelsführer stimmte er dabei immer neue Hasstiraden gegen die Stuttgarter Spieler und den Trainer an, die seine Mitstreiter bereitwillig und ohne Verdacht nachgrölten. Auch während des Spiels auf der Tribüne trat Franz, schon zu seiner Karlsruher Zeit für seine Stuttgartfeindliche Haltung bekannt, des Öfteren in Erscheinung. So entrollte er ein großes Plakat mit der Aufschrift „Babbel raus!“ und gab feindselige Kapriolen über ein Megaphon ab, bevor er kurz vor der Halbzeitpause unbemerkt und unenttarnt das Stadion verließ. Denn – und jetzt folgt der Clou an dieser verrückten Geschichte – er musste rechtzeitig und ohne Aufsehen zu erregen die Commerzbank-Arena in Frankfurt erreichen! Um 18.30 Uhr war Anpfiff für das Abendspiel Frankfurt gegen Mainz!

Und tatsächlich, irgendwie hatte er es geschafft! Er stand gegen Mainz auf dem Platz und avancierte im Verlauf des Spiels zum prägenden Akteur. Franz erzielte das 1:0 und lieferte sich heftige verbale und körperliche Zweikämpfe mit Mainz` Stürmer Bancé. Dieser unterstellte dem Frankfurter nach dem Spiel sogar rassistische Beleidigungen. Scheinbar hatte Franz die in Stuttgart an den Tag gelegte Aggressivität ins Spiel „rübergerettet“ und konnte sie nun auch physisch – zum Leidtragen des Mainzer Offensivmanns – anwenden. Unbestätigten Gerüchten zufolge hatte sich Bancé auch darüber gewundert, dass ihn Franz wiederholt mit „Scheiss-Millionär“ betitelte. Von Franz’ Teamkollegen war nach Abpfiff unter vorgehaltener Hand zu hören, dass während des Spiels aus dem hinteren Mannschaftsteil mehrmals laute und unkontrollierte „Babbel raus!“ – Rufe ertönten. Allerdings konnten diese in der Hektik des Spiels niemandem zugeordnet werden. Dennoch, so war zu vernehmen, glauben einige der Befragten Ähnlichkeiten zu Maik Franz’ Stimme erkannt zu haben.

Der Frankfurter Profi steht ab sofort unter besonderer Beobachtung der an-der-eckfahne – Reporter.

Dezember 23, 2009

Sensationen der Hinrunde, Teil 1

Category: Profizirkus – Autor: Bananenflanker – 6:35 pm

Im Schneetreiben und mit einem Befreiungsschlag des 1. FC Köln ging die Hinrunde der Bundesligasaison 2009/10 zu Ende. Auf eher fußballuntauglichem Geläuf gelangen ausgerechnet die bisher vornehmlich durch Torenthaltsamkeit aufgefallenen Kölnern drei sehenswerte Treffer. Ein überraschender Abschluss. Damit setzte dieser unerwartete Spielausgang den Schlusspunkt unter eine denkwürdige Hinrunde, die mit kleineren und größeren Überraschungen (um die Wörter Skandale, Sensationen oder Erschütterungen nicht zu gebrauchen) nur so gespickt war.

Denn wer hätte zu Beginn dieser Saison erwartet, …

… dass der FC Bayern abermals phasenweise Klinsmannfußball und der BVB gegen Ende tatsächlich Kloppofußball zeigt?                                                                                               

…dass Schalke trotz Felix-Magath-Trainergott dermaßen auftrumpft und die Hertha trotz Sturmduo-Verlust dermaßen abkackt?

Wer hätte zu Beginn der Spielrunde daran gedacht, …

…dass – gefühltermaßen – alle Fußballspiele auf deutschem Boden manipuliert sein könnten?

…dass asiatisches Wettverhalten für Verschiebungen auf bayerischen Amateurfußballplätzen mitverantwortlich sein könnte?

…dass Miroslav Kloses` Kinder nicht nur von Patrick “Owo” Owomoyela gezeugt sein könnten, sondern an der Schweinegrippe erkranken würden?

…dass sich ein Weltklassetorhüter des kurzzeitigen Brillenklaus schuldig macht und ein weiterer auf tragische Weise das Leben nimmt?

Tja, wer hätt’s gedacht? Und das ist ja nur die Oberfläche! Jenes Material, das den Medien – verschwörungstheoretisch gesprochen – geschickt zugespielt wurde!

Dem Wahrheitsfindungspostulat der an-der-eckfahne- Redaktion und der Fähigkeit ihrer Mitglieder, Zusammenhänge dort zu erkennen, wo gar keine vorhanden sind, ist es zu verdanken, dass noch weitere skandal- und skandälchenreiche Anekdoten zu Tage gefördert wurden. Die Liste der Hinrunden-Sensationen soll hier in den kommenden Tagen um einige Beiträge erweitert werden:

Heute: Bild-Zeitung hält Germanistik-Studenten als „Resortsklaven“

Wie aus sicherer Quelle zu erfahren war, hält sich die Bild-Redaktion in Berlin ein halbes Dutzend Germanistik-Studenten in einem isolierten Hinterkämmerchen. Unser Informant spricht von Guantanamo-ähnlichen Zuständen und einer in höchstem Maße demütigenden, täglichen Fütterungsprozedur, die von Chefredakteur Kai Diekmann persönlich durchgeführt wird. Zweck dieser Behandlungsweise soll es laut Diekmann sein, die durch die existenzielle Ausweglosigkeit der Situation hervorgerufenen Kreativitätspotentiale der Studenten auszuschöpfen und in redaktionstaugliche Beiträge umzuwandeln. Der Chefredakteur brüstet sich damit, selbst über zwei Jahre in einem dieser Verließe „gearbeitet“ zu haben.

Sind die Kreativitätspotentiale erst einmal freigesetzt, so werfen die “Sklaven” (die jeweils einem Resort zugeteilt sind) mit genialen Schlagzeilen und massentauglichen Wortspielen angeblich nur so um sich! Aus der Feder des “Sportsklaven” stammen beispielsweise die beiden Namenneuschöpfungen “Robbery” und “Golic” (jeweils bezugnehmend auf bayerische Offensivduos).                                                                                                                   

Exklusiv liegt der an-der-eckfahne-Redaktion ein handschriftliches Dokument des „Sportsklaven“ vor, das Vermutungen darüber anstellen lässt, welche Namenskonfluenzen uns bald im Sportteil der Bild erwarten könnten. Das Dokument konnte vor kurzem von unserem Informanten aus einem Redakteursbüro entfernt werden. Auf dem Blatt Papier ist folgendes zu lesen:

Sturmduos 09/10

Das Überraschenste: Farfanyi                                       

Das Enttäuschenste: Novakodolski       

Das Beste: Kießliyok       

Das Aufstrebenste: Zidarrios      

Das steigerungsfähigste (Trio): Obasivic

Hilfe!

Schauderhaft, oder? Doch damit nicht genug! Lesen Sie morgen:

„Der vermummte Bundesliga-Profi oder: Warum Maik Franz für die Entlassung von Markus Babbel mitverantwortlich ist“

November 24, 2009

Die Angst vor dem Prinzen

Category: Sitzfußball – Autor: tim – 12:18 pm

Jeder Fußballbundesliga-Fan kennt die folgende Situation:

Es ist Samstagnachmittag, kurz vor Beginn der Bundesliga-Liveübertragung. Man liegt bequem vor dem Fernseher. Die Kopfschmerzen, am Vortag noch pochend und schmerzend, sind stark abgeklungen und werden nun mehr als ein sanftes Tätscheln empfunden. All der Stress der vergangenen Arbeitswoche ist ganz weit weg. In wenigen Minuten spielt die Lieblingsmannschaft im Topspiel. Man sehnt sich nach diesem Gefühl der “anspannenden Entspannung”, das sich erfahrungsgemäß bei der Rezeption eines solchen Spiels einstellt. Nichts und niemand, so scheint es, wird den planmäßigen Ablauf dieses beschaulichen Fußballnachmittags durcheinander bringen.  

Doch nur kurze Zeit später findet man sich wider Erwarten wild tobend, von Wutkrämpfen geschüttelt auf der eigenen Couch wieder, die Zähne fest in einem Kissen verbissen. Wer oder was hat Schuld an dieser plötzlichen und unheilvollen Wendung? Ist der Fernseher explodiert? Ist der Strom ausgefallen? – Nein. Schuld an diesem extremen Stimmungswandel hat nur ein einziger Mann. Sein Name: Friedrich Leonhard Ignatius Josef Maria Lamoral Balthasar Prinz von Thurn und Taxis, genannt Fritz von Thurn und Taxis. Er ist der Kommentator des heutigen Topspiels.

Ausgerechnet der Mann also, der häufig so spricht als hätte er scharfkantige Holzbauklötze verschluckt, der langhaarige Fußballer gerne mit “Zigeuner” tituliert und nicht-deutsche Akteure vornehmlich als “Internationale” bezeichnet. Jener Sprachakrobat, der das außergewöhnliche Klangpotential von Fußballernamen wie “Zé Roberto” niemals erkennen würde und stattdessen ein knappes und kumpelhaftes “” verwendet - auch um zu verdeutlichen, dass er den Stars aus der Fußballbranche in aller Ebenbürtigkeit begegnet und mit ihnen freundschaftlich verbunden ist. Genau dieser schnauzbärtige Adelsspross, der Begriffe aus der Alltagssprache des Fußballs gerne mit soviel Pathos auflädt, dass man ihm ohne Probleme auch eine Vergangenheit als Sprecher des US-Außenministeriums unter George W. Bush unterstellen könnte – ja, ausgerechnet er kommentiert heute das Topspiel der Samstagskonferenz! Welch ein Schicksalsschlag!

Bitte Fritz, du tongewordenes Grauen, hör’ auf weiter Fußballspiele verbal kaputt zu treten. Ruhe dich auf deinen Adelslorbeeren aus und übergib dein Mikro an Wolf-Christoph Fuss

Bis dahin, liebe Freunde der gepflegten Fußballunterhaltung, bleibt uns nichts weiter übrig, als die amputierte Version eines Live-Spiels in Anspruch zu nehmen – und die Tonoption “Stadionatmosphäre” zu wählen.

November 16, 2009

Für mehr Boarisch auf dem Fußballplatz!

Category: Amateurspektakel – Autor: Bananenflanker – 1:50 pm

Gestern in einer der Münchner Amateurligen: Nach einer Robert-Enke-Schweigeminute beginnt ein hitziges, aber faires Fußballspiel. Mein direkter Gegenspieler ist ein athletischer, technisch beschlagener Schwarzer. Nachdem ich meine Hände in einigen Zweikampfsituationen nicht regelgerecht eingesetzt habe, entgegnet er mir in astreinem Bayerisch: “Ey Spezi, doa fei ja dei Wichsgrffi da weg!”

Nach einem kurzem Moment der Verwirrtheit, ordne ich meine Gedanken und komme schnell zu folgendem Schluss: Der Mann hat recht! Wir brauchen mehr “Boarisch” auf den Münchner Fußballplätzen!

Seit Jahren warnen Dialektforscher vor dem langsamen Aussterben der regionalen Mundarten. Vor allem die unter 25-Jährigen in den deutschen Großstädten zeichnen sich nicht gerade durch Freude am Dialektsprechen aus. 

Auch auf den Münchner Fußballplätzen ist der schleichende Dialektverfall zu erkennen. Während sich Slang-Dialekt-Mischformen (“Oida, Schiri, du Mongo!”) und Fremdsprache-Dialekt-Varianten (“Jebote, zefix!”) zwar weiterhin großer Beliebtheit erfreuen, wird echtes “Boarisch” hauptsächlich von altgedienten Spielern angewendet.

Doch solange Fußballplätze noch Begegnungsstätten zwischen Jung und Alt, zwischen Dialektunfähigen und Dialektfähigen sind, gibt es eine Chance dem langsamen Verfall entgegenzuwirken! Diese gilt es zu ergreifen!

Die jüngere Generation muss sich bewusst machen, welch kostbarer kultureller Schatz in den Kehlen der routinierten Haudegen und Leitwölfe steckt. Angehörige der älteren Generation dagegen müssen die von der Natur vorgesehenen Rollen als Stammesälteste und Überlieferer einer vom Aussterben bedrohten Mundart annehmen und darin aufgehen. So wird der Fußballplatz zum Klassenzimmer, das Spiel zur Unterrichtseinheit und auch der “Helli” und der “Seppi” sind plötzlich mehr als die Mannschaftsältesten – sie sind Lehrer!

Deswegen mein Aufruf an all die wissbegierigen Fußball-Jungspunde in den Münchner Amateur- und Hobbyvereinen: Nehmt diesen kostenlosen Unterricht in Anspruch! Hört zu, lernt und sprecht mehr “Boarisch” auf den Fußballplätzen!

Zum Abschluss noch einige beliebte bayerische Fußballausfrufe (mit dazugehöriger hochdeutscher Übersetzung), wie sie (noch) jeden Samstag und Sonntag auf den Münchner Sportanlagen zu hören sind: 

“Schiri, du bist ja pfauwuild!” 

-  “Herr Schiedsrichter, sie sind ja wohl nicht ganz auf der Höhe des Geschehens!”

“I hau di sowas von aus die Socken, des schwör i da!”

- “Ich werde dich im nächsten Zweikampf gewaltvoll und ohne Rücksicht auf dein körperliches Wohlbefinden attackieren, da kannst du dir sicher sein!”

“Geh weida jetza, du zipfi!”

- “Du befindest dich im Unrecht, du Lausbub!”

 

Wer kann diese Liste noch ergänzen?